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Erlebnisbericht von Walter Eberle vom DECA Ultra Triathlon 2019

© Foto: Katrin Meier, www.swissultra.ch

Walter Eberle finisht auch den 10-fachen Swiss Ultra Triathlon in Buchs

„Als ich vor 20 Jahren mit der Bewegungstherapie in der REHA begann, ahnte ich noch nicht, wohin der Weg mich führen würde.“

© Walter Eberle, 2019


Nach der Anmeldung im Februar zur Teilnahme des DECA - Ultra-Triathlons war es doch eine lange Reise bis zur finalen und emotionalen Zieleinfahrt.

Im Winter hat mich der Initiator und Mitorganisator des Anlasses, Teilnehmer des 20-fachen Ultra-Triathlons und mein Mentor Dani Meier angefragt, ob ich dieses Jahr nicht nochmals teilnehmen möchte, da es der letzte Event in Buchs sein könnte. Ich hatte zwar bereits einige Projekte für dieses Jahr am Laufen, doch die Idee liess mich nicht mehr los. Ich habe mein Umfeld und meinen Betreuerstab informiert und hoffte insgeheim, dass es kein grünes Licht gab. Den 5-fachen Triathlon konnte ich bereits vor 2 Jahren unter optimalen Bedingungen erfolgreich finishen, aber der 10-fache war schlichtweg nicht fassbar für mich. Vor allem musste ich gut überlegen, welche Distanz ich wähle und da ich selten etwas zweimal mache, lief es dann auf den zehnfachen Ironman hinaus. Von meinem Umfeld bekam ich grünes Licht, und die anderen Projekte verliefen im Sand.

 

Da der Anlass praktisch vor meiner Haustür stattfinden sollte, wollte ich es doch versuchen und meldete mich mit grossem Respekt vor diesem DECA-Ultratriathlon an. Insgesamt sind 2260 km zu absolvieren: 38 km im Schwimmbecken, 1800 km auf dem Handbike und 422 km mit dem Rennrollstuhl. Ich wurde neugierig, ob ich das schaffen kann. Mir geht es nicht um Bestzeiten oder Sieg, sondern ich möchte die Grenzen ausloten, ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. 2017 war ich für die halbe Distanz 66:28:31 Stunden unterwegs, das sind pro Tag um die 13 Stunden. 

 

Ich begann sofort mit den Vorbereitungen. Mein Bike war in die Jahre gekommen und so musste ein neues Bike in Auftrag gegeben werden. Dies war eine grosse Challenge, da es nach Mass gebaut werden muss. Die knappe Zeit war eine grosse Herausforderung für mein technisches Team. 

 

Bei der letzten Austragung hatte ich mit der Regeneration so meine liebe Mühe. Dieses Mal arbeitete ich mit einer Mentaltrainerin zusammen und benutzte eine Regenerationsmatte, um die Erholungsphase zu optimieren. Nur so sah ich eine Chance, die doppelte Distanz zu meistern. 

 

Das neue Bike wurde, dank Zusatzschichten zwei Wochen vor dem Event ausgeliefert. Die Zeit bis zum Wettkampf nutzte ich intensiv, um noch ergonomische Anpassungen an der Handkurbel anzubringen. 

 

Meine Grundlagen-Ausdauer war durch zehn Jahre Wettkampfsport und Langdistanz-Events auf einem sehr hohen Niveau. Die intensiven Testläufe der verschiedenen Sportarten wurden vor zwei Jahren gemacht, so war die Vorbereitungsphase dieses Mal angenehmer. Ich trainierte ca. 15-20 Std pro Woche, Krafttraining, Schwimmen, Rennstuhl, kurze/intensive und lange Einheiten mit dem Handbike. 

 

 

Das ausgeklügelte Ernährungsprogramm mit ausgewogener Alltagskost hatte sich bewährt. Dank einem motivierten Betreuungsstab, der mich optimal betreuen würde, konnte ich den ersten Wettkampftag befreit in Angriff nehmen. Ich freute mich auf das Startzeichen am 22. August morgens um 07.00 Uhr im Schwimmbad Buchs. Die Anspannung legte sich bereits auf der ersten Länge, der 3800 Meter langen Schwimmdistanz. Ich fand schnell einen guten Rhythmus und nach 110 Minuten folgte der Wechsel auf meine Paradedisziplin Handbike. Die 180 km lange Radstrecke führte über den Rheindamm von Buchs bis nach Sevelen und wieder retour. In der Fan- und Betreuergasse wurde ich jeweils optimal verpflegt und angefeuert. So konnte ich mit frischer Energie und Ansporn durch meine Betreuer und Fans die nächste Runde in Angriff nehmen. Zum Abschluss des Tages folgte jeweils die Marathonstrecke von 42.2 Kilometern. Für mich hiess es, diese Strecke im Rennrollstuhl zurückzulegen. Die Strecke wurde um das Eventgelände angelegt und hatte pro Runde eine Länge von 1500 Meter. Je nach Tagesverfassung und Wetter konnte ich den Ironman jeweils um ca. 20.15-21.15 Uhr abschliessen. Ich versuchte, nicht die Tage zu zählen, sondern konzentrierte mich auf die anstehende Disziplin und die folgende Runde. Ich lebte den Moment. 

 

Am 1. Tag spürte ich bereits das Handgelenk und eine ungewohnte Verspannung im Nacken. Es musste sofort eine Lösung her. Sie bestand darin, dass ich auf das alte Handbike wechselte, um meinen Oberkörper zu neutralisieren und das Handgelenk zu schonen. Am Abend wurden dann beim neuen Bike die Handgriffe bandagiert, um so den Halt zu optimieren. Diese Anpassungen haben sich bewährt und am 3. Tag hatte sich das Handgelenk wieder erholt. So konnte ich die restlichen Tage mit dem neuen Bike zurücklegen.

 

In der Nacht zum 4. Tag plagten mich Phantomschmerzen und ich fand kaum Schlaf. Glücklicherweise liessen die Schmerzen bis zum Schwimmen nach. Nach dieser schlaflosen Nacht war ich am Abend froh, den Tag doch noch einigermassen gut überstanden zu haben. Am 7. Tag störte ein kurzes, heftiges Gewitter den gewohnten Ablauf und zwang mich zu einer Pause. Diese nutzte ich, um weitere Optimierungen (Licht) am Bike anzubringen. Auch der 8. Tag wurde von einer langanhaltenden, intensiven Regenphase begleitet. Diese zwang mich zum zweimaligen Kleiderwechsel. Trotz dieser Unterbrechungen fand ich einen guten Rhythmus. Mein Bike und ich waren zu einer Einheit gewachsen, und ich konnte das langersehnte Flow-Erlebnis geniessen.

 

Am zehnten Tag konnte ich auf einer Welle voller Emotionen surfen. Unter grossem Fanaufmarsch und von Alphornklängen begleitet, wurde die Zieleinfahrt zu einem sehr emotionalen Erlebnis. Während dieser zehn Tage war ich 137:03:25 Stunden unterwegs, was Weltrekord im Rollstuhlsport bedeutet. Als ich vor 20 Jahren mit der Bewegungstherapie in der REHA begann, ahnte ich noch nicht, wohin der Weg mich führen würde. Unglaublich! 

 

Ein grosser Dank gehört meinem motivierenden Betreuerteam. Allen, die mich in irgendwelcher Art unterstützt haben, und den treuen Fans, die mich auf diesem intensiven Abenteuer begleitet haben. 

 

Die Organisatoren von Swiss Ultra führten diesen Anlass mit einer unglaublichen Leidenschaft aus, sodass dieser Spirit auf die Helfer und Athleten übertragen und gelebt wurde. Dieser Anlass war für mich sehr beeindruckend und wird wohl unvergesslich bleiben. 

 

Es macht Freude, mit nichtbehinderten Sportlern auf einem Level zu sein.

© Walter Eberle, September 2019



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